Der digitale Produktpass, kurz DPP (vom englischen Digital Product Passport), ist ein strukturierter Informationssatz zu einem konkreten Produkt, erreichbar unter einer festen Internetadresse. Meist führt ein QR-Code auf dem Produkt, dem Etikett oder der Verpackung dorthin. Kunden, Händler, Servicetechniker oder Marktüberwachungsbehörden scannen den Code und sehen sofort die Daten, die bisher aus Anleitungen, Erklärungen und E-Mails zusammengesucht werden mussten.
Woher der digitale Produktpass kommt
Rechtliche Grundlage ist die EU-Ökodesign-Verordnung ESPR (EU) 2024/1781. Als Verordnung gilt sie unmittelbar in allen Mitgliedstaaten, ohne eigenes nationales Gesetz. Die Verordnung selbst setzt den Rahmen: Sie legt fest, dass Produkte einen digitalen Pass erhalten, und regelt die allgemeinen Grundsätze. Die konkreten Anforderungen für einzelne Produktgruppen, also welche Daten ab wann verpflichtend sind, bestimmen delegierte Rechtsakte der EU-Kommission.
Welche Produkte zuerst betroffen sind
Die EU-Kommission hat den ersten ESPR-Arbeitsplan verabschiedet und darin vorrangige Produktgruppen benannt. Dazu gehören unter anderem Textilien, Möbel, Reifen, Matratzen sowie Eisen, Stahl und Aluminium. Einen Sonderfall bilden Batterien: Die Batterieverordnung (EU) 2023/1542 führt ab dem 18. Februar 2027 einen Batteriepass ein, und zwar für Batterien von Elektrofahrzeugen, Batterien leichter Verkehrsmittel und Industriebatterien mit einer Kapazität über 2 kWh.
Für die übrigen Gruppen stehen die Fristen noch nicht fest. Das ist trotzdem kein Grund zu warten, denn am meisten Zeit kostet nicht die Veröffentlichung des Passes, sondern das Zusammentragen der Daten und Dokumente, die hineingehören.
Was ein Produktpass typischerweise enthält
Der genaue Umfang hängt von der Produktgruppe ab, in der Praxis wiederholen sich jedoch dieselben Informationskategorien:
- Produktidentifikation: Hersteller, Marke, Modell, Artikelnummer, GTIN, Chargen- oder Seriennummer,
- Materialzusammensetzung, einschließlich Recyclinganteil und Herkunftsland,
- Dokumente: Erklärungen, Anleitungen, technische Datenblätter, Sicherheitshinweise,
- Zertifikate mit Gültigkeitsdatum,
- Informationen zu Reparatur, Demontage und Recycling.
Ein Teil der Daten ist für alle bestimmt, ein anderer nur für ausgewählte Empfänger, etwa Marktüberwachungsbehörden.
Wer sich im Unternehmen darum kümmern sollte
Der Produktpass verbindet die Arbeit mehrerer Abteilungen. Stammdaten kommen meist aus dem Produktmanagement oder dem ERP-System, Dokumente und Zertifikate aus der Qualitätssicherung und von Lieferanten, und die Freigabe zur Veröffentlichung liegt bei der für Compliance verantwortlichen Person. Deshalb lohnt es sich, die Einführung mit einer klaren Rollenverteilung zu beginnen: Wer ergänzt die Daten, wer prüft sie, wer gibt das Produkt zur Veröffentlichung frei?
Was Sie schon heute vorbereiten können
- Erfassen Sie, wo heute Produktdaten, Dokumente und Zertifikate liegen.
- Wählen Sie eine Produktgruppe für ein Pilotprojekt, am besten die, nach der Kunden am häufigsten fragen.
- Ordnen Sie für diese Gruppe die Materialzusammensetzung und die Lieferantendokumente.
- Prüfen Sie die Gültigkeitsdaten der Zertifikate und ergänzen Sie fehlende.
- Planen Sie, wo auf dem Produkt oder der Verpackung der QR-Code platziert wird.
In DPPC basiert dieser Prozess auf einem Produktdatensatz, einer Dokumentenprüfung und einem Readiness-Wert, der zeigt, was noch fehlt. Mehr zur Auswahl einer passenden Lösung lesen Sie im Leitfaden DPP-Software: Auswahl und Einführung im Unternehmen.
DPPC ersetzt keine rechtliche Bewertung: Welche Daten für Ihre Produkte verpflichtend sind, klären Sie am besten mit Ihrer Compliance-Abteilung oder Beratung, sobald die EU-Kommission den delegierten Rechtsakt für Ihre Produktgruppe veröffentlicht hat.